Gülle, Gülle

Aus Schläuchen plätschert
das Zeug in die Anlagen.
Die städtischen Anlagen sind schon
abgesperrt, vorsichtshalber.
Die schwarzbunten Kühe traben
dieweil in die Fußgängerzone,
neugierig, ob ihre Bauern
die Sache mit der Kuhkacke
voll in den Griff kriegen.
Leute drücken sich eilig
in die Läden, das Personal
drückt die rote Notruftaste.
Die Securitas wird ausgemuht.
Ein paar Bullen besuchen
mal den netten Dönermann,
garantiert kein Schwein,
sie nehmen grünen Salat.
Alkluge Kälbchen hopsen
ganz allein in den Bus
zum Schlachthof.
Ein schöner Ausflug.
Güle, Güle.

© hertz

Kniepsand So

Nett

Mein Meerhaus ankert blau auf weißem Sand,
die Nummer vier gleich links vom Rippelfeld,
willkommen jedem, der sich zugesellt.
Der Weg führt geradeaus, ist unbenannt.

Die Flut verbeugt sich artig stets, galant,
macht höflich einen Bogen um das Zelt,
kommt nur bei Neumond heimlich vorgeschnellt,
leckt dann genüßlich an der Plastikwand.

Solch Lüste hält man endlos nicht im Zaum,
es schwillt und rollt bald gierig von Nordwest,
verleibt sich schließlich ein den Kindertraum.

November gibt dem Strandidyll den Rest.
Die Sommergründung schluckt der graue Schaum.
Zog um schon Wochen vor dem Martinsfest.

©hertz

Blau

Niemandsland
bewacht von grauen Wäschepfählen
und vierunddreißig Augenpaaren
hinter den Gardinen.

Die Probe
des Adepten:
Er hebt den Stab,
sagt lautlos
seinen Spruch,
ins Nichts
ritzt er Hyperbeln.

Wie schade, Blüten, Blüten, Blüten.
Zwar diesmal alles blau in blau –
Vergissmeinnicht und Männertreu,
Verbenen, Bleiwurz, Blaue Lieschen,
ein Meer von Blüten strömt herbei.
Wer macht das nachher wieder weg?
Aus offenen Türen jubeln Kinder,
ein Paar umarmt sich neu verliebt.

Der Meister der Novizen sieht‘s
in seinem blinden Spiegel, seufzt:
Schon wieder einer,
der bloß Blumen kann.

© hertz