Menschenpark

Alle aus Stein.
Die Frau ohne Kopf und Arme,
keine Beine, nur Stümpfe.
Torso des Seins,
steht auf dem Schild.
Da drüben, die ist intakt,
voll nackt, Kopf gesenkt,
Kind über der Schulter.
In roter Farbe hat jemand
ihr ein Hüfttuch angemalt,
wie bei Jesus in der Kirche.

Gehen wir zu den Männern.
Zum Beispiel Ikarus
mit freiem Unterleib
und Engelsflügeln.
Es folgt ein Junge,
barfuß im Handstand,
ein Bein ist verkümmert.
Zu allerletzt ein Krieger,
70 /71, marschiert
seit Jahrzehnten
auf seinem Sockel
in voller Montur.

Der Kopf des Stifters
ist aus rotem Granit,
tiefe Schläfengrube,
der Schädel poliert.
Er lächelt.

© hertz

Grabung


Armknochen. Beinknochen.
Im Spotlight sehe ich
eine Beckenschaufel,
mehrmals gebrochen,
wie der Flügel
einer ausgestorbenen Vogelart.
Die Splitter im Fach drüber
waren mal ein Oberschenkelhals.
Das neue Hotel hat den Fund
zweisprachig beschriftet.
Vormensch, männlich.
Lag zu flach für die Tiefgarage.

Zuhause ziehe ich mich sofort aus,
meine Finger graben nervös
nach meinem Becken
unter so viel Fleisch.
Passt.

© hertz