34,1° Celsius

Andächtig entblößt
bis auf die Augen
dösen ins Delirium
coole Ganzkörper
Stufe für Stufe
die angekündigen
Celsius-Grade rauf.
Keine Bewegung.
Bloß der Kosmonaut
hinter dem Deich
aus Luftballon-Gummi
zappelt auf Erden
bei leichter Brise,
empfiehlt bäuchlings
schwabbelnd Gelati,
sein Hintern aber
wirbt für Pommes.

© hertz

Seh-Stück

Ebbe
Rumliegen
Körper gucken
Leute zählen
Dicke und Dünne
du kriegst die Bäuche
gewinnst knapp
Jetzt barfuß
gegen Flip-Flops
ich verliere doch
lieber Strandlaufen
Vielleicht finden wir
Venusmuscheln

© hertz

Urlaub daheim

Durch den Feldstecher ziehen
Wesen, mächtige Leiber,
Köpfe dunkel verschleiert,
eisenfarben die Häute.

 

 

 

 

 

Abenteuerlich – wir hin.
Tief geduckt im Galopp ab
durch die Jungbullenweide,
Mückenschwärmen entfliehend.

Kurzer Sprung über’n Graben,
schnaubend erwartet man uns,
erstes Sichten der Fremden
durch das lästige Schutznetz.

Endlich herzliches Wiehern,
Hälse tätscheln, ein Nicken.
Alle hörn sie auf Lucy.
Wie benennen sie uns bloß?

© hertz

Malgedicht für Erwachsene und Kinder

Achtundzwanzig Mal
schnürt eine grüne Spur
wie dicke Zahnpasta
für Nilkrokodile
über die Leinwand,
am Schluss ein Klecks,
ein geringelter brauner Klecks,
sieht unanständig aus,
ist aber kreativ.
Dann das Ganze als
achtspurige Autobahn,
windgepeitschte Nordsee
oder übergelter Undercut
in
Rot
Blau
Schwarz
Gelb
Lila
und
Burgund.

Der Maler grabscht
in den Farbhaufen,
schmiert und formt,
kleckst und würstelt,
dass es seine Art hat,
es macht ihm total Spaß,
selbst bei Regen.
Ich glaube, wenn Kacki
auch noch bunt wäre,
würden Talente gefördert.

Kinder:
Man benötigt aber dafür
einen Gummihandschuh
und einen Gummianzug
und eine Gummimütze
und diese besondere Gummifarbe.
Und einen Sprinter
für die Leinwand
und eine Erlaubnis,
das alles draußen
irgendwo zu machen.

PS:
Herr Lehmpfuhl
malt tolle Bilder.
Die Lange Anna
von Helgoland
zum Beispiel.
Das ist kein Mädchen
sondern ein Felsen.
Wer dicht zu ran geht,
sieht bloß die Zahnpasta,
an der man pulen möchte,
was man keinesfalls darf.
Will man so was richtig gucken,
braucht man mindestens
ein Wohnzimmer in XXXL,
mindestens.

© hertz

Aus der Spur

Aufjaulen,
dumpfes Fallen,
am Hals dein Herz.
Krähen kreisen dich ein .
Rennst aus der Spur,
schlägst einen Haken,
rutscht ins Bett
zu den Jungfichten.
Musst dringend pinkeln.
Traust dich nicht.
Durch den Stangenwald
rumpelt ein Unimog.

© hertz

Durch die Blume

In der Blume
ist Gott
am schönsten,
sagte mein Freund,
der alte Maler.
So prächtig
so empfindlich,
so fruchtbar.
Einmal machte er
für eine Kapelle
ein heiliges Bild
von Gott – aber
man sah ihn nicht
vor lauter Blüten
aus dem Farbkasten.
Das Gremium war
sich lange uneins.

© hertz

 

Seestück

Salbeifarben die See.
Auf dem Horizont
ziehen Boote.
Am Himmel malen
die Wolken Zeichen.
Bauch an Bauch
lernen wir unsre
geheimen Namen
by heart.

© hertz

Rosentröster

Den Rosen was vorlesen,
lassen die Köpfe hängen
nach dem Gewitterguss.
Rosen fühlen können –
jetzt was von Rilke?
Die Hundsrose nickt
wie immer im Wind,
dabei haben wir noch
gar nicht angefangen.
Die dicke Westerland,
duftet schon wieder,
steht auf Courths-Mahler,
und die Hochzeitsweiße
mit dem adligen Namen
kriegt ihren Goethe.
Ist man ihnen schuldig.

© hertz

4:37

Wumms,
an die Scheibe,
die Dämmerung zittert
auf mich zu.

Die Bettdecke zu kurz,
ich schütze mich
in meinen Armen,
keiner da sonst.

Morgens bestatte ich
die junge Amsel im Laub,
eine alte schimpft
von der Dachrinne.

© hertz

 

Lob auf den gelben Wagen

Das leuchtend gelbe Auto
unserer Briefträgerin
stiehlt sich summend
durch den Stangenwald,
seine Melodie ähnelt
meinem Elektrorasierer,
damals, der allererste.
Selbst die Schiebetüren
öffnen sich lautlosest,
distanziert spricht sie
auf mich ein, sie darf
mir nicht nahe kommen.
Aber seit kurzem winken
wir uns zu, fehlt nur
noch das Kusshändchen.
Heimlich sammle ich
neuerdings Briefmarken.

© hertz

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