SO 2

Aus dem Paradies
höllischer Gestank,
schmeckt nach Klo.
Die Kinder rein,
die Masken auf,
das Fernsehn an.
Vorabendserie,
du lieber Gott,
gibt’s doch nicht,
wir holen uns noch
den Tod oder was.
Endlich. Ach so,
der Vulkan da hinten.
Wir wollten sowieso
wieder Costa del Sol.
Keine Sorge.

© hertz

Russisches Dong-Dong

Stumme Männer klebten
an den Litfaßsäulen
meiner Kinderzeit,
gestiefelte Donkosaken,
die in der Kirche sangen.
Meine ersten Russen.
Sie machten dauernd „Dong“
im Hintergrund,
meine Tante Emmi
brauchte viel Hintergrund,
sie besaß auch
ein Langspielplatte
mit den Donkosaken.
Später wurde mein Wissen
über Russland durch Attila
den Hunnenkönig bereichert.
Nicht jugendfrei –
aber die Kinoplakate
mit Sophia Loren,
sage ich euch.
Da hatten wir schon
den Kalten Krieg.

© hertz

Abgehoben

An jenem Montag aber
flogen die Wahlplakate
wie auf Verabredung
hinauf in den Himmel,
die kleinen billigen
flatterten ein wenig,
während die in Kingsize
majestätisch schwebten.
Selbst die zerrissenen,
die angekotzten,
die angepissten,
alle hoben sie ab.
Ab und an lächelte
eines der Gesichter
im Aufwind auf mich
herunter wie damals,
als wir Kinder noch
Papierdrachen bauten.

© hertz

 

Copy right

Keine Größe
ist meine,
es trägt sie
schon ein anderer,
kein Gewicht
für mich allein,
andere wiegen
genauso viel
oder so wenig.
Hunderte entscheiden
wie ich im Supermarkt.
Was und wen wir wählen,
wie und wo wir lieben,
wir sind Tausende.
Man muss uns bloß
ans Licht halten,
da scheint es auf,
das Wasserzeichen
der anderen.

© hertz

Dreikommavier

Das klare Wasser
erzittert mehrfach
in unserer Regentonne,
Heben und Senken
aller Atmenden
scheint zu stocken.
Man könnte noch schnell
seine Liebe bekennen
oder ein Kreuz schlagen.
Vögel, wie versteint
unter dem Bougainvillae,
sind kein Trost mehr.
Drei Komma vier sagen sie
im Staatsrundfunk,
fünf Kilometer tief.

© hertz
Vor Jahrzehnten lebte ich in einem fernen Land, unter dem es bisweilen rumorte. Jetzt ist auf unserer liebsten Reiseinsel La Palma die Erdbebenampel auf Gelb gesprungen, auf der halben Insel spürt man die Schwarmbeben, zuletzt an die 200 täglich.La Palma bringt die alten Erinnerungen herauf, die jetzt noch einmal Worte gefunden haben.
Das Foto zeigt das Llano del Jable (dt. Sandebene) auf La Palma, das nach einem Vulkanausbruch vor rund 500 Jahren entstand. Über 8 Kilometer lang und teilweise bis zu 2 Kilometer breit erstreckt sich eine schwarze Zone. Feinste Lapilli und grobkörniger als Sand haben eine Sandwüste hinterlassen, wie sie auch auf dem Mond anzutreffen ist.

Wahlpost

Die Einladung verspricht mir
Positionen der Gegenwart.
Spannend, auf welchem Platz
die übrigen sein werden:
Mein Wahlkreiskandidat,
kennt nur eine Position,
soweit ich von ihm weiß.
Er eröffnet eine Kunstausstellung.

© hertz

Aus der Spur

Aufjaulen,
dumpfes Fallen,
am Hals dein Herz.
Krähen kreisen dich ein .
Rennst aus der Spur,
schlägst einen Haken,
rutscht ins Bett
zu den Jungfichten.
Musst dringend pinkeln.
Traust dich nicht.
Durch den Stangenwald
rumpelt ein Unimog.

© hertz

Durch die Blume

In der Blume
ist Gott
am schönsten,
sagte mein Freund,
der alte Maler.
So prächtig
so empfindlich,
so fruchtbar.
Einmal machte er
für eine Kapelle
ein heiliges Bild
von Gott – aber
man sah ihn nicht
vor lauter Blüten
aus dem Farbkasten.
Das Gremium war
sich lange uneins.

© hertz

 

Seestück

Salbeifarben die See.
Auf dem Horizont
ziehen Boote.
Am Himmel malen
die Wolken Zeichen.
Bauch an Bauch
lernen wir unsre
geheimen Namen
by heart.

© hertz

Wellen

Latino sage ich nur.
Schwupp ist die nächste
ans Land geschwappt.
Die Delta tanzten
wir gestern, ach Gott,
und heute die Lambda,
da geht noch was.
Erst nach der Omega
macht der DJ dicht.
Aufbrezeln,
di nägschte Angschtpaati,
avers met’n Gautest.

© hertz