Glückse

Kakao ohne Haut
der Zeigefinger
malt Monster
auf behauchte Scheiben
Kaninchen küssen
im Brötchen bohren
Schatten treten
mit Johannes von drüben
sein Papa ist abgehauen
das Pupskissen
ausprobieren
einen Goldtaler
aus ’ner Ritze buddeln
Lachzähne
schön finden
ein silberner Vorhang
aus Schneeflocken
keinen Käse mögen
wie der Kater Murr
beim Bäcker
ein neues Wort
aufschnappen
den Rückweg hüpfen
das neue Wort flüstern
mindestens tausendmal
das heißt Jänner
wenn nicht mehr
Jännner ist
ist wieder Schule

© hertz

Bornholmer Straße

Ne Freundin
in Ostberlin
hatt‘ ich mal,
rein platonisch,
sie ging sowieso
mit einem von der NVA.
Rüber machte ich
alle Jahre wieder.
Zutritt von sieben
bis vierundzwanzig Uhr.
Gut für die Moral.

Die Brücke,
die Kleingärten,
Bornholmer Straße,
die Grenzanlagen.
Neulich war alles
im Fernsehen, wie in echt.
Aber dies zeigten sie nicht:

Einmal verdammt spät,
ich total verfranzt,
falsch in der Einbahnstraße.
Herzrasen. Vopo kommt.
Papiere.
Belehrung.
Nicken.
Kehren.
Gute Fahrt, sagen sie.
Ich schaffe die Grenze.
Danke, Jungs.

Und die Platonische –
ach, Heide.

© hertz