
…. eine kleine Rolle auf der großen Bühne spielt auch der landpoet

lyrisch bis alltäglich

…. eine kleine Rolle auf der großen Bühne spielt auch der landpoet
Ein Stau, den Weg versperrt ’ne Lok’motive,
froschgrün, BB liest man, es stinkt nach Diesel.
man wartet hier mit Frust im feuchten Niesel.
Die Laune bei mir sinkt ins Negative.
Nun, immerhin, sie steht ja noch auf Schienen,
schnell abgestellt, es gab sonst keine Lücken.
Könnt‘ „une amende“ an die Scheibe drücken
ne Politess‘ in amtlichen Routinen.
Der Sünder taucht jetzt endlich auf, im Blaumann,
Er winkt ins Rund‘ – im Kino wär’s der Abspann,
schwenkt fröhlich eine Tüte voll Baguettes.
Hier kommt noch was, wir sind ja im Sonett:
Der Führer sitzt am Pult, ein fixer Griff,
er gibt die Straße frei mit schrillem P f i f f.
© hertz
Beim Wühlen wiedergefunden.
Damals irgendwo in Lothringen …
Immerhin: Eine Reiseerinnerung
für die Nach-Urlaubszeit noch
ein Dutzend Jahre später.

© hertz
Nachher ausschalten,
wenn das Wetter durch ist.
Den richtigen Merlot aufziehen,
die richtige Temperatur,
die richtigen Gläser,
die richtigen Untersetzer.
Die Louis-Paulsen-Stehlampe
herunterdimmen,
Stufe eins.
Im Ecksofa sitzen.
Santé.
Angucken.
Weggucken.
Runtergucken.
Schhhh-plitsch.
Zur Küchentür gucken,
die Spülmaschine.
Beine überschlagen,
Beine wechseln.
Schnippsen.
Ein glühender Punkt,
jetzt stärker.
Du wolltest doch.
Ja, ja.
© hertz

Er sieht sie von weitem,
hat sofort keine Lust auf sie.
Ihr Gang, Herrje, ihr Gang,
muss sie so schrecklich latschen.
Steht jetzt vorm Optikerladen.
Suche eine Frau „schick“
in Jeans und Abendkleid,
schrieb er in seiner Anzeige.
Dies ist das falsche Date.
Dabei war das Foto
in Ordnung gewesen.
Eine Brünette mit Brille,
solide Ausstrahlung.
Er meint ihre Mühe zu sehen,
mit der sie wie zufällig
die Brillenmodelle mustert.
Leicht nach vorne gebeugt,
tut ernsthaft interessiert.
Ihr Anorak wölbt sich weit,
auf jeden Fall falsche Größe,
und ihre Jeans nennt er
bei sich „mädchenfarbig“.
Nein, er mag sie nicht.
Am liebsten gleich da vorn
runter in die U-Bahn.
Aber da hätte er
an ihr vorbei gemusst.
Er fürchtet das Gefühl,
wie ein schnell Besiegter
vom Platz zu rennen.
Er nimmt sich zusammen.

Mit diesem Gefühl
war sie ihm schon
zuvorgekommen.
Der schlanke hohe Spiegel
mit der Jugendstilgirlande
im Schaufenster gab ihr
lange schon den Blick frei
in die breite Marktstraße.
Da war er also, der Typ
mit dem gewissen Lachen,
so hatte sie gelesen,
aufgeschlossen und modern.
Klang gut, passt bloß nicht
auf den Mann, findet sie.
Wie der daherbummelt,
Hände tief vergraben
in breiten Baggy Jeans,
trägt ein Basecap mit Schrift,
vielleicht was Lustiges,
ein Männerspruch, o je.
Hier am Treppenschacht
der U-Bahn ist Treffpunkt.
Ein Unwohlsein steigt in ihr auf,
von Sekunde zu Sekunde
wird es unausweichlicher,
das Date. O Gott nochmal!
Sie verpasst die Chance,
rechtzeitig weiterzugehen,
beim Beef Burger abzutauchen.
Die Distanz wird kürzer.
Jetzt sähe es aus wie Flucht,
sie mag keine Jagdinstinke
auslösen, man weiß ja nie.
Innerlich wappnet sie sich.
Gleich wird er loslegen.

© hertz
ES saugt.
Es sumpft.
Es suppt.
Es sifft.
Da kocht was hoch.
Da kocht was nass.
Für alle
Seggen,
Binsen,
Schilfe.
Sumpfzypressen,
Wasserdoste,
Mädesüße,
seien nicht vergessen.

Es rottet.
Es gammelt.
Es fault.
Es gast.
Ludergruben-Duft.
Tischlein deck dich,
Würmchen streckt sich
zum matschigen Menu
der Egel, Engerlinge,
Maden, Milben, Nematoden,
Pilze, Parasiten.

Schlemmende,
schmatzende
Schmarotzer,
Verdrängte,
Bekämpfte,
Geköderte,
Gespritzte,
Glyphosatierte.
Die ganze Gästeliste
vom Beipackzettel
der Giftdöschen
im Baumarkt.
Mahlzeit, denn.

Da lacht
der Kakerlak.
© hertz

Dieses Mal
stehst du da
grabbelst
nach dem Smartphone
hilflos
stehst du da
was muss man
jetzt
hier
machen
nicht einmal ein Engel
der über jene Synapsen streift
die sich leeren
dich sänftigte
mit dem stummen Hauch
seines Flügels
© hertz
In Erinnerung an Nikolaus von Kues ( 625.Geburtstag )

…
Nebelstille.
In sich gehen.
Da weht ein Schleier
um die Briefkästen
rollt sich breit
in die Traufe
geistert stumm
vor allen Fenstern
guckt nicht rein
kennt schon alles
tut einem nichts

Du könntest raus
in heller Umarmung
mitfließen bloß
diese nassen Küsse
wenn die nicht wären
Nebelstille.
© hertz
Es klopft irgendwo
zwischen drei und vier
tiefschlafen geht nicht
wegen da draußen
wegen hier drinnen
man grabscht herum
umarmt das Kissen
fest wie seinen Retter
in Berg- oder Seenot.
Sie kümmern sich also
um einen. Die nervt
wohl das Klopfen nicht
Man denkt was Bedenkliches,
das andere kann warten.
Zum Beispiel an das Alter.
Trotz glücklicher Kindheit
kriegt man’s – wie Klopfen
zwischen drei und vier.
Nö, noch keine Lust drauf.
Das umarmte Kissen kommt
wieder unter den Kopf.
Nicht das Alter, bloß
das Herz, was ein Glück.
Danke, wohin auch immer.
© hertz
