Nett sein

Im Roman wird schön
gestorben, sind sie so
lieb zueinander,
der Tote so nett
beim Tod,
obwohl’s weh tut.
Die Familie kann
sich echt traurig
sehen lassen.
Ich möchte auch
so was buchen.
Nehme ich Angehöriger
oder doch gleich…?

© hertz


„I will kill you anyway“ stand 2013 in Neonbuchstaben im Innenhof des Gerisch-Parks Neumünster geschrieben. Es ist ein Schriftzug der Künstlerin Susanne Kutterau. Im Moment ist er in Worpswede installiert.

Im Friedforst

Kommen zwei
im Zelenskyj-Look,
kommen ungelenk,
suchend,
sichernd
zum Baum,
jung noch,
wildgeschützt.
Einer nestelt
aus der Jeans
ein Mitbringsel.
Drücken sich
stumm davon.

Hängt im Draht:
Ein Hühnergott.
Ganz in Weiß.

Sagt ein Schild:
Nadia.
Achtzehn.

© hertz

Seh-Stück

Ebbe
Rumliegen
Körper gucken
Leute zählen
Dicke und Dünne
du kriegst die Bäuche
gewinnst knapp
Jetzt barfuß
gegen Flip-Flops
ich verliere doch
lieber Strandlaufen
Vielleicht finden wir
Venusmuscheln

© hertz

Copy right

Keine Größe
ist meine,
es trägt sie
schon ein anderer,
kein Gewicht
für mich allein,
andere wiegen
genauso viel
oder so wenig.
Hunderte entscheiden
wie ich im Supermarkt.
Was und wen wir wählen,
wie und wo wir lieben,
wir sind Tausende.
Man muss uns bloß
ans Licht halten,
da scheint es auf,
das Wasserzeichen
der anderen.

© hertz

Durch die Blume

In der Blume
ist Gott
am schönsten,
sagte mein Freund,
der alte Maler.
So prächtig
so empfindlich,
so fruchtbar.
Einmal machte er
für eine Kapelle
ein heiliges Bild
von Gott – aber
man sah ihn nicht
vor lauter Blüten
aus dem Farbkasten.
Das Gremium war
sich lange uneins.

© hertz

 

Nebenan

Mein neuer Nachbar,
der Gartenbuddha
aus dem Baumarkt

scheint jedes Mal
still zu grüßen,
wenn ich den Müll
über den Hof trage.
So im Lotussitz
den ganzen Tag
strengt doch an,
nach Feierabend
macht er Yoga,
denke ich mir,
oder Headbanging.

© hertz

 

Die Rosen-Residenz
tanzt in den Mai

Morning has broken.
Schunkeln im Stuhlkreis
geht dieses Jahr nicht.
Also gleich aufs Parkett,
ruft die Heimleiterin.
Humtata, humtata.
Gedimmtes Oberlicht.
Ein Twinset in grün
folgt der Spitzenbluse,
dann noch ein Paar
in Schlabberjacken.
Abstandsgeregelt,
seit Ostern geübt.
Die beiden Männer
von der Sesselecke,
zu wenig‘ zum Skat,
gucken keine Frauen,
später dann Porno.
Im Solo ein Rollator,
kracht ins Geschirr.

© hertz

Erwachen

Ich wollte aufstehen, da
geriet ich in die Muster
ihrer Bluse gegenüber.
Der Bauhof hat Schuld,
gestern war ihre Bank
noch frisch gestrichen,
heute verlief ich mich,
schon, konnte gar nicht
so tief die Augen
niederschlagen, wie ich
hingucken musste.
Verpatzte ein Lächeln.

© hertz

Lob auf den gelben Wagen

Das leuchtend gelbe Auto
unserer Briefträgerin
stiehlt sich summend
durch den Stangenwald,
seine Melodie ähnelt
meinem Elektrorasierer,
damals, der allererste.
Selbst die Schiebetüren
öffnen sich lautlosest,
distanziert spricht sie
auf mich ein, sie darf
mir nicht nahe kommen.
Aber seit kurzem winken
wir uns zu, fehlt nur
noch das Kusshändchen.
Heimlich sammle ich
neuerdings Briefmarken.

© hertz

Shopping

Am grauen Nachmittag dann
in die Fußgängerzone
mit dem Charme
einer Dating-App.

Matte Reklametexte,
aufgepappte Gesichter,
ewig kann man ihnen
in die Augen gucken.

Nichts anfassen.
Meldebogen.
Sauber sein.

Ich buche gleich noch einmal
meine Frisörin von gestern.
Sie wäscht so gut.

© hertz

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