Kann nicht

Ich kann keine Flüchtlinge.
Und ein Dichter sollte doch.
Ich kann kaum Kirchenchor,
gerade noch alte Freunde,
meine Briefträgerin geht noch.
Nachbarn verschieden.
Katzen meistens.
Ab und an Kinder,
nicht alle, die ich habe.
Frauen – eine.
Ich kann Karibik,
wenn man mich hinfliegt,
Kenia oder Kanaren,
viele andere Länder,
wo es sich reimt
oder auch nicht.
Ich kann keine Flüchtlinge.

© hertz

 

 

 

Heckenschütze

Eine halbe Zigarette lang
flach an die Wand gedrückt,
das Regal als Sichtschutz,
sein iPod dauernd im Blick.

In der Zwölften schon wusste er,
was er werden wollte:
Heckenschütze.
Lisa hörte darum sofort auf,
mit ihm zu gehen.

Er malt sich
ihre prallen Brüste aus,
nur bis dahin ging es.
Zicke. Freifräulein Louise von –
er müsste ihr’s mal
richtig zeigen.

Das Signal.

Hastig zerquetscht er
den glühenden Stummel
zwischen Daumen und Zeigefinger.

 

© hertz

Ogottogott

Ogottogott schwitzt,
will am liebsten
den Laden zumachen.
Die Wünsche der Kundschaft
gehen mir auf den Keks,
tippt sein Zeigefinger,
das meiste nicht lieferbar.
Noch 37 Zeichen,
langsam tut’s weh,
verdammt klein alles.
Er hätte gern
ein Seniorenhandy
mit Ventilator
und ein tolles Gewitter
oder eine andere schöne Krise.

© hertz

 

72 : 1

Der Froschkönig werden soll,
ruft fünf Tage vorher an,
Ferngespräch, es knackt,
sie sollen einen anderen
in den Brunnen schicken.
Er sei konvertiert,
man mache ihn gleich
zum Gürtelträger,
wenn schon denn schon,
zweiundsiebzig Jungfrauen,
alle glutäugig. O Mann.
Besser als ’ne Tussi,
die einen an die Wand klatscht.

© hertz