Seestück

Salbeifarben die See.
Auf dem Horizont
ziehen Boote.
Am Himmel malen
die Wolken Zeichen.
Bauch an Bauch
lernen wir unsre
geheimen Namen
by heart.

© hertz

Freud für Männer
Geburtstagsgedicht zum 165sten

Er wollte die Mutter,
die nahm sich der Vater,
Wurd‘ wütend und strafte.
Gebot der Gebote.

Er wollte zu Smilla,
der Vater verbot sie,
mit der spielst du nie mehr,
die ist doch polakisch.

Er wollte Sieglinde,
die fragte die Eltern.
Sie stoppten die Tochter:
Der passt nicht zu uns.

Er wollte die Lore,
verunfallt ihr Lover.
Das Mädchen blieb lieber
des Toten Verlobte.

Er wollte dann Carmen.
Der Heiland war schneller,
sie dürfe mit keinem
sonst wär’s eine Sünde.

Er wollte Beatrix –
die kriegte in Bälde
vom Trainer was Kleines,
empfahl ihm wen anders.

*

Nachdem er dann
weitere siebzehn Jahre
so oder so dahingelebt hatte,
kam die scharfe Su,
die wollte

ihn.

*

Tja, Sigmund.

© hertz

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Heute wäre sein 165. Geburtstag.
Sigmund Freud ist am 6. Mai 1856 in Freiberg/Mähren,
damals Österreich, geboren. Sein Vater war 40, seine
Mutter 20 Jahre alt. Die Familie bewohnte ein Zimmer
im Haus des Schlossers Zajíc, das wahrscheinlich noch
heute in fast unveränderter Form existiert. Später hat
er die abendländische Welt bewegt mit seinen Deutungen
des seelischen Lebens und Erlebens, insbesondere mit
denen über Lust & Liebe.

Erwachen

Ich wollte aufstehen, da
geriet ich in die Muster
ihrer Bluse gegenüber.
Der Bauhof hat Schuld,
gestern war ihre Bank
noch frisch gestrichen,
heute verlief ich mich,
schon, konnte gar nicht
so tief die Augen
niederschlagen, wie ich
hingucken musste.
Verpatzte ein Lächeln.

© hertz

Oder Lyrik

In Wattenscheid weiß ich
einen, der mich liest,
und in St.Andreasberg.
Außerdem noch einer,
ziemlich quer,
Der ist wieder weg.
Also zwei.

Vor dem Fenster knospen
unsre Birnenbäumchen
von der Hochzeit.
Auch zwei.

Wähle, Dichter.

© hertz

Vorbei

Wieso blond
du warst rot
was für Pumps
du trugst Clogs
woher „Cheese“
lachtest klar.
facebook
fakebook
Ich gehe
ans Fenster
gucke auf den See.

© hertz

Bornholmer Straße

Ne Freundin
in Ostberlin
hatt‘ ich mal,
rein platonisch,
sie ging sowieso
mit einem von der NVA.
Rüber machte ich
alle Jahre wieder.
Zutritt von sieben
bis vierundzwanzig Uhr.
Gut für die Moral.

Die Brücke,
die Kleingärten,
Bornholmer Straße,
die Grenzanlagen.
Neulich war alles
im Fernsehen, wie in echt.
Aber dies zeigten sie nicht:

Einmal verdammt spät,
ich total verfranzt,
falsch in der Einbahnstraße.
Herzrasen. Vopo kommt.
Papiere.
Belehrung.
Nicken.
Kehren.
Gute Fahrt, sagen sie.
Ich schaffe die Grenze.
Danke, Jungs.

Und die Platonische –
ach, Heide.

© hertz

Planetendating

Eine Rubensfigur
um die Hüften
ihres Äquators
hat meine Blaue.
In drei Tagen
kann man rum sein,
achtzig war einmal.
Von der heißen Venus
lasse ich die Finger.
Pluto ist eh raus.
Der eisdicke Neptun
passt schon gar nicht,
ich brauche Blüten,
Küsse, Verse und Gesang.

© hertz

Herzgespann

Münder, Brüste, Hintern
steigen über mich hinweg,
aus der Traum.
Ich liege bloß
in Seitenlage,
eine Unruhe pocht
im linken Ohr.
Das Bett dröhnt.
Hundertzwanzig
hundertdreißig
hundertvierzig.
Unter meinen Fingern
rast der Puls

eines anderen.
© hertz

misswahl

schön sein
eine miss sein
eine miss wollen
am schönsten
eine miss kriegen
schöner
missgriff
mister
verpiss dich
eine miss missen
mist
weib
man sollte dich
auf den Mond
© hertz

ÖPNV

Kommt nichts.
In der Linken ein Bier,
Rempeln mit Rechts.
Sie spielen Gleisschubsen
für die süsse Maid vom Plakat
mit der kessen Lippe,
alle 11 Minuten
verliebt sich’s.
Die sind schon um,
noch ist nichts passiert.
Kein Kuss.
Kein Zug.
© hertz