SO 2

Aus dem Paradies
höllischer Gestank,
schmeckt nach Klo.
Die Kinder rein,
die Masken auf,
das Fernsehn an.
Vorabendserie,
du lieber Gott,
gibt’s doch nicht,
wir holen uns noch
den Tod oder was.
Endlich. Ach so,
der Vulkan da hinten.
Wir wollten sowieso
wieder Costa del Sol.
Keine Sorge.

© hertz

Schwarmbeben

Nicht fallen,
sagt sie am Tresen.
Irgendwo rumort’s
in der Tiefe.
Der Fernseher hängt
über den Flaschen,
ein Schwarmbeben,
rote Pfeile stürzen
aus dem Bildschirm
Richtung Whisky.
So tief
könnte man fallen.

Das Wetter morgen.
bleibt
schön.

Es kam schon mal
alles runter,
flüstert sie mir zu,
das Hotel haben sie
in die Lava gebaut.
Mit dem Knöchel ihres
Ringfingers klopft sie
an die schwarze Platte,
unberufen und dreimal.
© hertz

Tuffig

Im Feuerhagel
geborene Lapilli-Felder
knirschen
unter dem Schritt
abwärts.
Jeder rutscht
für sich allein.
Selbst Jungverliebte
lösen die Hände.
Am Fuß des Vulkans
legen sie ihre Namen
mit Tuffbröckchen,
vom Himmel gefallen,
ins schwarze Geröll.

© hertz

Blicke

Schlacken, Schotter, Schweiß,
vor mir deine Stiefel knarzen,
wir atmen uns hoch.
Auf dem Dach der Insel,
an den atlantischen Wind gelehnt,
flattrig der Griff zur Kamera,
ein Caspar-David-Friedrich-Blick,
unter den Wolken
irgendwo das Meer.
Ich habe dich
aus den Augen
verloren.

© hertz