Letzter Markt

Rosen auf dem Asphalt.
Der Dönermann
sammelt Kohlköpfe auf.
Eine Lebkuchenfrau
verteilt noch immer
Zettel für Gott.
Sie friert im Kostüm.
Der Tannenbaum
vom Tieflader steht
vor Maria mit dem Kind.
Glitzerketten schwingen.
Man geht seiner Wege.

© hertz

Baracke zur Seligkeit

Am herrlichsten
aller meiner Heiligen Abende
klopft es an unserer Fliegerbaracke,
die meine Mutter organisiert hatte.
Ein rot Vermummter begehrt Einlass,
auf Stiefeln, breit gebaut,
brauner Mantel mit Kapuze
Sack auf der Schulter,
Hände und Gesicht wie Max und Moritz –
da kommen die zwei Knaben
durch den Schornstein wie zwei Raben.
Äpfel, Nuss und Mandelkern
rollen und kullern aus dem Sack
und ein Jungs-Puppe
mit einer braunen Blechhaut
wie der Fremde.
Merry Christmas.
Ein Nigger, flüstert mein Vater.
Meine Mutter lächelt.
Ich
spiele
gottselig.

© hertz

Wann dann

Heiligabend sterben
sollte nicht sein,
auch die drei Tage
vorher nicht.
Man hat schon alles
und nun das.
Verschieben also –
löst einen Stau aus.
Vorweg vielleicht,
aber wer will das schon,
höchstens ein paar
Freiwillige.

Mir würde es nichts ausmachen
nach Flugente mit Orangenlikör,
passender Musik, was von Bach,
etwa „Jauchzet, frohlocket“,
in Ordnung, und dann.

Die werden weinen.

© hertz