Taubenblau

Ich klopfe den Schnee ab.
Schön wieder hier zu sein.
Alles ist gut.
Der Computer aus,
die Herdplatte kalt,
die Terrassentür zu,
nichts tropft im Bad.
Unter meiner Lieblingsdecke
taubenblau
auf dem Sofa
eine Fremde.
Sie schläft.
Aufgeregt blinkt der AB.
Ich drehe den Ton leise.
Man spricht so Japanisch
oder eine andere Mundart.
Ich schaue durchs Fenster,
hinter der Ligusterhecke
die Wölfe.

© hertz

… Christkind auf Tour

Das Christkind schwärmt lauthals beim Packen
von lustigen Typen in Wacken,
die mögen’s dort krass,
das Bier gleich im Fass,
dann könn’ sie im Salto flickflacken.

Das Christkind kommt gerne zu Malern
mit Schaumwein und schoko’nen Talern,
dort sitzt es Modell
auf schafenem Fell,
aus zieht sich’s vor wärmenden Strahlern.

Bescher’n wird das Christkind in Glinde
die zahlreichen Männer im Kinde
mit Trommeln und Pauken –
für all die Rabauken.
Die Frauen krieg’n Ohrengebinde.

Gebucht wird das Christkind für Rio,
es winkt laut beim Abflug, „Adio!“
Und hängt seine Flügel
dort gleich auf’n Bügel.
Es trägt rote Höschen con brio.

© hertz

Baumkauf

Gleich friert man hier noch fest, ich will nen Baum,
von See her faucht der Schnee, nicht bloß Geriesel,
für‘s Personal gibt´s einen alten Diesel,
da sitzt‘s jetzt drin recht warm und sieht mich kaum.

Aussteigt dann doch ein Mensch mit schwarzem Flaum,
der zeigt herum, durchflitzt den Tann´ wie ´n Wiesel.
Die Zweige blinken matt voll eis´ger Kiesel,
im Vollfrost schmilzt mein Supertannentraum.

Man schaut sich hilflos um, schätzt Höhe, Breite,
im Flockenmeer schreit´s alle Meter: „Hier!”
Da ist ein schüchterner, der hübsch beschneite.

Kurzum, der lacht und lockt, den nehmen wir,
obwohl: hier hinten ist  ´ne kahle Seite.
Ik schiet darop, ik dor wat anmonteer.

© hertz

Alte Jungs

Die Nase im Glase,
der Riesling belebt.
Ein Prost auf die Pauker!

Mit schnipsligen Spickern
zum gallischen Kriege.
Physiktest beim Rabe,
der scheuchte die Raucher,
und rächte die Pärchen.
Christin in der Elften
man hätte sie gerne
. . .
Es wölben sich Hände
zu fülligen Kelchen
am wiehernden Stammtisch.

Die Nase im Glase,
der Riesling belebt.
Na, Prost auf Christinchen!

Nur ich bleibe schweigsam,
schrieb ihr einst Verse.

© hertz

Störkathen

Ja, hier lustwandelt‘ einst der Dichter,
den Geist, die Seele auszulüften,
man sagt, sein Vers sei oft ein schlichter,
versinkt so gern in Frauen-, Cron-
und adlig-feinen Liliendüften.

Ein Heidestein trägt seinen Namen,
es gibt bloß schwarze Kiefern, Schnucken,
nicht reizen Liebesmelodramen,
kein flimmergrünes Augenpaar,
ganz ohne keusches Miederzucken.

Das bringt uns kaum was, Allerliebste,
die Luft, sie beißt, Novemberkühle,
da gehn wir besser aufs Rapidste
den sel’gen Detlev heiß verehr’n
in unsre eignen warmen Pfühle.

© hertz