Heckenschütze

Eine halbe Zigarette lang
flach an die Wand gedrückt,
das Regal als Sichtschutz,
sein iPod dauernd im Blick.

In der Zwölften schon wusste er,
was er werden wollte:
Heckenschütze.
Lisa hörte darum sofort auf,
mit ihm zu gehen.

Er malt sich
ihre prallen Brüste aus,
nur bis dahin ging es.
Zicke. Freifräulein Louise von –
er müsste ihr’s mal
richtig zeigen.

Das Signal.

Hastig zerquetscht er
den glühenden Stummel
zwischen Daumen und Zeigefinger.

 

© hertz

Grabung


Armknochen. Beinknochen.
Im Spotlight sehe ich
eine Beckenschaufel,
mehrmals gebrochen,
wie der Flügel
einer ausgestorbenen Vogelart.
Die Splitter im Fach drüber
waren mal ein Oberschenkelhals.
Das neue Hotel hat den Fund
zweisprachig beschriftet.
Vormensch, männlich.
Lag zu flach für die Tiefgarage.

Zuhause ziehe ich mich sofort aus,
meine Finger graben nervös
nach meinem Becken
unter so viel Fleisch.
Passt.

© hertz

Ogottogott

Ogottogott schwitzt,
will am liebsten
den Laden zumachen.
Die Wünsche der Kundschaft
gehen mir auf den Keks,
tippt sein Zeigefinger,
das meiste nicht lieferbar.
Noch 37 Zeichen,
langsam tut’s weh,
verdammt klein alles.
Er hätte gern
ein Seniorenhandy
mit Ventilator
und ein tolles Gewitter
oder eine andere schöne Krise.

© hertz

 

72 : 1

Der Froschkönig werden soll,
ruft fünf Tage vorher an,
Ferngespräch, es knackt,
sie sollen einen anderen
in den Brunnen schicken.
Er sei konvertiert,
man mache ihn gleich
zum Gürtelträger,
wenn schon denn schon,
zweiundsiebzig Jungfrauen,
alle glutäugig. O Mann.
Besser als ’ne Tussi,
die einen an die Wand klatscht.

© hertz