… Christkind auf Tour

Das Christkind schwärmt lauthals beim Packen
von lustigen Typen in Wacken,
die mögen’s dort krass,
das Bier gleich im Fass,
dann könn’ sie im Salto flickflacken.

Das Christkind kommt gerne zu Malern
mit Schaumwein und schoko’nen Talern,
dort sitzt es Modell
auf schafenem Fell,
aus zieht sich’s vor wärmenden Strahlern.

Bescher’n wird das Christkind in Glinde
die zahlreichen Männer im Kinde
mit Trommeln und Pauken –
für all die Rabauken.
Die Frauen krieg’n Ohrengebinde.

Gebucht wird das Christkind für Rio,
es winkt laut beim Abflug, „Adio!“
Und hängt seine Flügel
dort gleich auf’n Bügel.
Es trägt rote Höschen con brio.

© hertz

Baumkauf

Gleich friert man hier noch fest, ich will nen Baum,
von See her faucht der Schnee, nicht bloß Geriesel,
für‘s Personal gibt´s einen alten Diesel,
da sitzt‘s jetzt drin recht warm und sieht mich kaum.

Aussteigt dann doch ein Mensch mit schwarzem Flaum,
der zeigt herum, durchflitzt den Tann´ wie ´n Wiesel.
Die Zweige blinken matt voll eis´ger Kiesel,
im Vollfrost schmilzt mein Supertannentraum.

Man schaut sich hilflos um, schätzt Höhe, Breite,
im Flockenmeer schreit´s alle Meter: „Hier!”
Da ist ein schüchterner, der hübsch beschneite.

Kurzum, der lacht und lockt, den nehmen wir,
obwohl: hier hinten ist  ´ne kahle Seite.
Ik schiet darop, ik dor wat anmonteer.

© hertz

Alte Jungs

Die Nase im Glase,
der Riesling belebt.
Ein Prost auf die Pauker!

Mit schnipsligen Spickern
zum gallischen Kriege.
Physiktest beim Rabe,
der scheuchte die Raucher,
und rächte die Pärchen.
Christin in der Elften
man hätte sie gerne
. . .
Es wölben sich Hände
zu fülligen Kelchen
am wiehernden Stammtisch.

Die Nase im Glase,
der Riesling belebt.
Na, Prost auf Christinchen!

Nur ich bleibe schweigsam,
schrieb ihr einst Verse.

© hertz

Ulla

Da geht Ulla,
sie ist in der Neunten,
sagt meine Mutter.
Ulla guckt
durch mich durch.
Ulla trägt
einen grauen Pullover,
selbstgestrickt,
sagt meine Mutter,
Patentmuster,
sagt meine Mutter.
Die Ullas
wohnen nebenan zur Miete,
wir haben ein Haus.
Ulla sieht mich trotzdem nicht.
Vor meinen Augen schlenkert sie
ihre Schultasche hin und her.
Ich muss den Ranzen
auf den Rücken schnallen.
Ulla ist so was wie eine Frau,
noch nicht ganz, aber irgendwie.
Ihr grauer Pullover
wölbt sich vorne, ich starre.
Für Ulla bin ich nicht da,
wenn ich durch die Hecke spähe
in meiner dünnen Turnhose –
in der tut sich was.

Ulla geht in die Neunte.
Ich komme in die Fünfte.

© hertz

Kniepsand So

Nett

Mein Meerhaus ankert blau auf weißem Sand,
die Nummer vier gleich links vom Rippelfeld,
willkommen jedem, der sich zugesellt.
Der Weg führt geradeaus, ist unbenannt.

Die Flut verbeugt sich artig stets, galant,
macht höflich einen Bogen um das Zelt,
kommt nur bei Neumond heimlich vorgeschnellt,
leckt dann genüßlich an der Plastikwand.

Solch Lüste hält man endlos nicht im Zaum,
es schwillt und rollt bald gierig von Nordwest,
verleibt sich schließlich ein den Kindertraum.

November gibt dem Strandidyll den Rest.
Die Sommergründung schluckt der graue Schaum.
Zog um schon Wochen vor dem Martinsfest.

©hertz