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Der Froschkönig werden soll,
ruft fünf Tage vorher an,
Ferngespräch, es knackt,
sie sollen einen anderen
in den Brunnen schicken.
Er sei konvertiert,
man mache ihn gleich
zum Gürtelträger,
wenn schon denn schon,
zweiundsiebzig Jungfrauen,
alle glutäugig. O Mann.
Besser als ’ne Tussi,
die einen an die Wand klatscht.

© hertz

Bügelflaschen-Blues

Kapuzenjungs im feuchten Weltenschmerz,
sie finden sich vom Leben abgehängt.
Die Politik, die „Alte”, pöö, geschenkt.
Es ploppt das Pils, zwei Glatzen machen Terz,

jongliern mit Bügelflaschen bloß zum Scherz,
die erste hab‘n sie schon ins Watt versenkt.
Gern steht man hier als Mann, so eng gedrängt,
sich duckend in die Herde, wasserwärts.

Die Lästerzungen tänzeln ohne Zaum,
anheim fällt nun die Stadt der Ridicule.
Die Bürger fallen in den ersten Traum.

Der Strom bringt Nachtluft, beißend ihre Kühle,
man geht, die dünnen Jacken wärmen kaum,
kann sein, es gibt am Schluß ein paar Gefühle.
© hertz

Hundswache

Schnittige Dreimaster
spielen Schiffeversenken
im Hafenmuseum.
Man riecht
Kronprinzessin Cecilie,
sie qualmt nach Schnelldampfer Art.
Ein Melancholiker mit Sextant,
als Kapitän verkleidet,
mißt die Höhe zum Todessprung,
im Morgengrauen hängt
nur das Bild schief.
Die blonden Fischerjungs
schreien: Alle Stinte fliegen hoch!
Besucher gehen in Deckung.
Keiner da.

Die Glasenuhr schlägt neun,
zwei hautfarbene Akte
suchen ’ne Koje,
sie sind so schwarzweiß.

© hertz

Mann im Stau

Sudoku bloß im Kopf ist blöd,
die Walgesänge sollen mich entspannen,
hab ich schon zweimal durch – und nun?
Ich könnte alle roten Autos zähln,
die nebenan nach Norden fahrn.
Den Sprinter hinter mir, den lenkt ein Heinz,
im Spiegel les ich seinen Nam’n.
Und mache rasch von uns ein nettes Selfie,
der Heinz winkt artig wie Queen Mom,
das sehn gleich alle, die mich liken.

Ein Kurzhaarschnitt im Mini, apfelgrün,
guckt kurz, zieht dann auf meine Spur,
da blitzte doch ein blankes Dekolleté.
Mal schnell jetzt deine Nummer wähln,
ach nein, du bist ja schon im Yogakurs.
Ich werd mir einen runterholn,
mir ist so heiß. Der Wagen nebenan
wippt voll im Beat, man hört’s Gedröhn.

© hertz

 

Fünf-Uhr-Tee auf Hedwigslust

Urgroßmutters Sommer bauscht die Röcke prächtig,
Atlasfalten voller Erdbeer und Jasmin,
duftig süßen Vorspiels lockender Beginn.
Küss die Hand, voll Anstand kniet die Lust bedächtig.

Wilde Reben ranken sich um’s Pförtchen mächtig,
schelmisch scherzt ein praller Putto vor sich hin,
Rosenstöcke salutieren in Karmin.
Man beplaudert Herzensdinge, unverdächtig.

„Teezeit“, ruft man sie ins Haus hinein.
„Fräulein reichen Sie mir ihren Arm“,
knisternd schmiegt sich eilig Stoff an Stoff.

„Doktor, darf ich ihre Malve sein?“
Eins war hier schon längst des andern Schwarm,
täubchengleich es aus dem Herzen troff.

*

Man geht ins Haus, es glänzt die Wand aus Seide,
im goldnen Bilderrahmen Heilandsschäfchen,
begrasen allerfröhlichst Moor und Heide,
des Guten Hirten Hund im sel’gen Schläfchen.

Ein Pferdetrupp bereitet die Paneele.
Geschnitzt aus Wurzelholz des Sofas Wangen,
ein Ritter passte ‚rein mit Leib und Seele,
es fehlt‘ nur noch ’ne Jungfrau für’s Verlangen.

Zerknarrt wird jäh die Stille des Gemaches,
als man das Paar nun stumm zum Platze bringet,
es ächzt ein Stuhl, an Dübeln hier gebrach es.
Serviert wird Ceylon-Tee, Musik aufklinget.

Im Bild der Ahnherr schauet cool,
dieweil sie später Obstler trinken.
Die blassen Bräutchen wechseln wohl,
die Zwetschgen nicht. Er tut jetzt winken.

(Eine Phantasie nach Hedwig Courths-Mahler)

© hertz