Allee-Talk

Ist der späte Zug durch,
drehn sich unsre Buchen
blätterrauschend zueinander,
wispern Smalltalk,
tratschen ökologisch,
über die Fichten zum Beispiel,
nackt bis Hals dort am Wegkreuz.
Oder was über die Grundherrin,
wem sie bestimmt noch ans Holz ginge.
© hertz

Elbisch

Brokdorf, in der hellen Bucht,
gelb lockende Blumen.
Der Landmesser steht dort,
der du einst werden wolltest,
er steckt in deiner Haut.
Du traust dich
nicht zu fragen,
bist neben dir
für lange Zeit.
Ihr guckt nach drüben,
messt den Weg in Meilen.
Das Riesenschiff versperrt
den Blick, macht Wellen,
ein Pärchen zieht die Füsse an,
der Sand wird feucht.
Man nickt sich zu.
Elen síla lúmenn‘ omentielvo. (*)

© hertz

(*) Ein Stern scheint auf die Stunde unserer Begegnung.

Planetendating

Eine Rubensfigur
um die Hüften
ihres Äquators
hat meine Blaue.
In drei Tagen
kann man rum sein,
achtzig war einmal.
Von der heißen Venus
lasse ich die Finger.
Pluto ist eh raus.
Der eisdicke Neptun
passt schon gar nicht,
ich brauche Blüten,
Küsse, Verse und Gesang.

© hertz

ohrenapotheke

Sind die Denkmäler durch,
alle Straßen,
auch die kürzeren,
sämtliche Mohrenapotheken,
auch die kleineren,
bleibt noch viel zu tun.
Häschenwitze.
Kuchenrezepte.
Volkslieder,
Galaxien,
Familiennamen,
Heiße Getränke.
Und dann Bücher.
Bücher, sage ich euch.
Kann man auch nicht
alles so stehn lassen.

© hertz

Flug-Zeug

Der Schlund würgt
Koffer auf Koffer auf’s Band.
Mit japanischem Lächeln,
zwei Entschuldigungen
und einer Verbeugung
husche ich ungestraft
in den inneren Zirkel.
Glücksgriff.
Trumm von einem Koffer,
fast neu,
auf der Gepäckkarre
hängt er wie notgewassert
in der Biskaya.
Nicht für’n Polo.
Schade.
Ich liebe
das Leben der andern.
© hertz

Alb-Nacht (2)

Vor bösen Träumen beschützt
ein hölzerner Wächter aus Benin,
beopfert mit Hühnerblut
warm aus der Kehle,
gewälzt in der Asche
einer New York Times
vom vergangenen Jahr,
Wenn der Zauber nachlässt,
kann man ein Update bestellen,
mobile pay.

© hertz

Alb-Nacht

hart liege ich
an der Kante
das bett schon
besetzt mit leuten
die einmal waren
mit den meisten
hatte ich es
nicht so eng
mit den engsten
hatte ich es
nicht so
– meistens

© hertz

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© hertz

Auf Durchreise

Ach du dicke Flocke,
meine Schneekönigin.
Wie geht’s?
Na ja, Eure Majestät.
Schon gut.
Wir haben auch Sorgen,
es taut zu viel,
meine Eis-Aktien,
und die Prinzen.
Ja, Madam.
Am besten
Schnee drüber.
© hertz

Fehlte noch

Vorhin
waren es 67,
Geich mal gucken,
was die Lage macht.
Fehlt bloß noch,
dass es keinen Strom
mehr gibt,
überhaupt keinen.
Das setzte dem Ganzen
die Krone auf.
Aber wir haben ja
die Powerbank,
Gott sei Dank.

© hertz